Auszüge aus dem Online-Lexikon "Wikipedia" zum Thema NLP
Neurolinguistische Programmierung (kurz NLP) ist Anfang der 1970er Jahre an der University of California in Santa Cruz entstanden und versteht sich als ein Modell der zwischenmenschlichen Kommunikation und einer Sammlung unterschiedlicher psychologischer Verfahren und Modelle, die zu einer effizienteren zwischenmenschlichen Kommunikation und Einflussnahme führen sollen. [1]
Geschichte der NLP
Die neurolinguistische Programmierung wurde von dem damaligen Mathematikstudenten und späteren Psychologen Richard Bandler [2]und dem Linguisten John Grinder entwickelt. Grinder war zeitweise Assistent bei Gregory Bateson, dem ebenfalls ein Einfluss auf das NLP nachgesagt wird. Bateson distanzierte sich jedoch bald vehement von Grinder und Bandler. [3]
Bandler und Grinder interessierten sich insbesondere für drei Therapeuten unterschiedlicher Ausrichtung, die zu ihrer Zeit ausnehmend erfolgreich waren, und versuchten, in deren Vorgehensweise herauszufinden, was sie in ihren Therapiegebieten so erfolgreich sein ließ: den Gestalttherapeuten Fritz Perls, die Familientherapeutin Virginia Satir und den Hypnotherapeuten Milton H. Erickson. Bandler und Grinder analysierten die Sprache und die Körpersprache dieser drei Therapeuten und versuchten, aus deren Vorgehen bestimmte Interventionstechniken herauszufiltern, die zusammen mit Erkenntnissen aus der Linguistik zum Grundstock der ersten NLP-Schule wurden. Ein eindeutig festgeschriebenes theoretisches Gerüst fehlt der NLP jedoch. [4]
Erste Berichte wurden in zwei Büchern Mitte der 1970er Jahre bekannt. [5] [6]. Bandler und Grinder kamen zunächst zur Entwicklung des PRS-Konzepts (von Preferred Representational System), das davon ausgeht, dass Menschen, individuell unterschiedlich, vorrangig über bestimmte Sinneswahrnehmung die Umwelt wahrnehmen. [7]. Im Jahre 1976 folgte aus der Analyse der Sprachstrukturen von Perls und Satir das Meta-Modell der NLP. Das Meta-Modell versteht sich als Sprachmodell, mit dem im NLP-Sinne Informationen über Gedankenmodelle des Kommunikationspartners gesammelt und ausgewertet werden, und das zwischen einer Oberflächen- und einer Tiefenstruktur menschlicher Kommunikation unterscheidet. 1979 folgte aus der Beobachtung des Hypnotherapeuten Erickson das Milton-Modell. Später kamen Untersuchungen an herausragenden Künstlern, Managern, Verkäufern, Pädagogen u.a. hinzu und erweiterten das NLP-Methodenbündel.
Die Zusammenarbeit der NLP-Begründer Bandler und Grinder endete 1980, und in den neunziger Jahren kam es zu gerichtlichen Auseinandersetzungen zwischen ihnen um Markenrechte am Begriff NLP.[8] Die Werkzeuge des NLP werden seither vor allem außerhalb des akademischen Lehrbetriebes weiterentwickelt und laufend ergänzt.
Anfang der 1980er Jahre wurde die NLP auch in Europa populär, und es entstanden konkurrierende Ausbildungsinstitute mit verschiedenen Abschlüssen. Später wurden die Ausbildungsinhalte und die Ausbildungsdauer über nationale Verbände festgeschrieben (s.u.).
Selbstverständnis als "Methodenbündel/Werkzeugkasten"
NLP befasst sich im weitesten Sinn mit menschlicher Kommunikation. NLP kann als eine auf stetige Weiterentwicklung angelegte Methodensammlung angesehen werden. Anhänger dieser Sichtweise betrachten NLP als eine Vielzahl einzelner, von einander abgegrenzter Handlungsanweisungen (sogenannter NLP-Formate) für die Arbeit mit Menschen in Veränderungssituationen [9]. Andere NLP Anwender sehen allerdings weniger die Methoden und die Formate im Vordergrund, sondern die konstruktivistische Sicht auf Kommunikation und die lösungsorientierte Herangehensweise des NLPs. NLP beansprucht nicht, wissenschaftlich begründet zu sein.
Seit Bandler und Grinder untersuchen NLP-Anwender die Verhaltensweisen von Persönlichkeiten (Therapeuten, Unternehmern, Künstlern, Wissenschaftlern), die auf ihrem Gebiet herausragende Leistungen zeigten, auf mögliche Muster und Gemeinsamkeiten. Sie beobachten, dass die untersuchten Personen tatsächlich sprachliche (verbale und nonverbale) Verhaltensmuster aufweisen, die sich ähneln.
Wie bei anderen psychologischen Ansätzen geht man auch im NLP davon aus, dass menschliches Verhalten (äußerlich wahrnehmbar) durch innere Prozesse ausgelöst und strukturiert wird. Innere Prozesse und äußere Wahrnehmungen stehen in einem gegenseitigen Zusammenhang.
Als Grundannahme dient dabei die Auffassung, dass der sprachliche oder gedachte sprachliche Ausdruck (sogenannter "innerer Dialog"), die bildlichen Gedanken oder auch das Körpergefühl eines Menschen das subjektive Wahrheitsempfinden einer Person bestimmen. Dieses Empfinden stellt nach Auffassung der NLP einen Ausdruck innerer Modelle dar, mit deren Hilfe ein Mensch gedankliche Abbilder seiner Umwelt entwirft (sogenannte innere Landkarten), um sich sozial zu orientieren. Sie bestimmen das Weltbild eines Menschen.
Ein fundamentales Instrument zu jedem nur denkbaren Arbeiten mit NLP sind zwei bewusst erlernbare Fähigkeiten, um zum Gegenüber Rapport ("einen Draht") herzustellen: Intuitives oder bewusstes Anpassen und Führen.
Pacing (Anpassen, Mitgehen) spiegelt den Kommunikationspartner und basiert auf der Annahme, dass sich Menschen, die sich gut verstehen, einander angleichen (unter anderem in Tonfall, Lautstärke, Sprechtempo, Körperhaltung, Distanz, Direktheit des Auftretens).
Leading (Führen) hingegen eröffnet neue körpersprachliche oder tonale Signale, um im Gespräch die Führung zu übernehmen. Dies muss nicht im selben Augenblick wie beim Gegenüber geschehen, sondern kann auch zeitversetzt ablaufen und sollte sich im Gespräch mit Pacing abwechseln. Priorität hat hierbei nicht die Manipulation des Gegenübers, sondern der bewusste emotionale Kontakt.
Vorannahmen
Ein zentrales Element der NLP sind die NLP-Vorannahmen, welche von Bandler und Grinder als Verhaltensgrundmuster beim 'Modellieren' erfolgreicher Persönlichkeiten erkannt wurden. Die 12 wichtigsten "Vorannahmen" sind:
- Die Landkarte ist nicht das Gebiet. (s. Alfred Korzybski)
- Menschen treffen innerhalb ihres Modells von der Welt grundsätzlich die beste ihnen mögliche Wahl.
- Jedes Verhalten ist durch eine positive Absicht motiviert.
Das Akzeptieren einer subjektiv positiven Absicht ignoriert nicht die möglichen Auswirkung einer Handlung. Sie dient im beratenden Kontext dazu, ein negatives Selbstbild umzudeuten.
- Menschen haben alle Ressourcen in sich, um jede gewünschte Veränderung an sich vorzunehmen. Zu ergänzen "... bis man an Grenzen stößt, z.B. physische Ursachen."
- Der positive Wert eines Individuums bleibt konstant, aber die Angemessenheit des Verhaltens kann bezweifelt werden.
- Es gibt in der Kommunikation keine Fehler oder Defizite. Alles ist Feedback.
Durch diese Vorannahme wird der Weg zur verletzungsfreien Annahme von Kritik eröffnet. Einseitige Schuldzuweisungen sind auch nach Paul Watzlawick (Interdependenz) grundsätzlich falsch.
- Die Bedeutung der Kommunikation liegt in der Reaktion, die man erhält.
Nicht, was Du tust, zählt, sondern wie Deine Umgebung auf Dich reagiert.
- Wenn etwas nicht funktioniert, tue etwas anderes.
Offen zu sein für alles, was funktioniert. Die Bereitschaft zur Suche nach Lösungsalternativen. Eine typische Konfusion wird hiermit erzeugt: "Es ist so!" - "Oder auch nicht!!"
- In einem ansonsten gleich bleibenden System kontrolliert das Element mit den größtmöglichen Verhaltensmöglichkeiten das System.
Es wird Verhaltensflexibilität vom Berater eingefordert.
- Widerstand beim Klienten bedeutet mangelnde Flexibilität auf Seiten des Beraters.
Es gibt immer einen dritten Weg.
- Der Sinn jeder Kommunikation ist nicht die Absicht, sondern die Reaktion, die sie beim Gegenüber auslöst.
Diese Annahme korrespondiert mit dem Axiom von Paul Watzlawick: Wahr ist nicht, was A gesagt hat; Wahr ist, was B verstanden hat.
- Wenn jemand etwas Bestimmtes tun kann, so ist es möglich, dieses Verhalten zu modellieren (nachzumachen) und es weiterzugeben.
Erfolgreiche Therapeuten usw. bauen ihre Kommunikation auf diesen Vorannahmen auf. Sie bildeten damals bei den 'modellierten' Personen die Voraussetzung für erfolgreiches Wirken. NLP vermittelt somit jetzt die Grundlagen, die einen Erfolg begünstigen.
Elemente und Formate
NLP-Anwender gehen davon aus, dass es möglich und sinnvoll ist, einzelne Methoden aus unterschiedlichen psychologischen Schulen isoliert voneinander zu erlernen und gezielt zur Verbesserung von Kommunikation einzusetzen. Hierbei wird deutlich, dass die NLP kein in sich geschlossenes Lehrsystem darstellt. Den so genannten "NLP-Formaten" ist gemeinsam, dass sie sich an der Stärkung von inneren Ressourcen orientieren, den Schwerpunkt in die Aufarbeitung der Vergangenheit des Klienten setzen, mit besonderem Augenmerk auf Veränderungsarbeit in den kritischen Bereichen (Interventionen, z.B. HistoryChange, Neuprägung). Ressourcenstärkung dient zur Überwindung von Problemen, Schwellenängsten, Blockaden oder Störungen. Ergänzend hierzu wird großer Wert auf eine humanistische Haltung des Beraters in der Arbeit mit Klienten gelegt.
Der Klient kann mit Hilfe von NLP-Formaten auch in eine leichte Trance (ohne bewusstseinserweiternde Elemente) geführt werden und in dieser Entspannung innere Bilder oder Gefühle betrachten. Das hängt vom Ziel der Intervention und von den vorhandenen Ressourcen der Beteiligten (Berater und Klient) ab. Die wichtigsten Bestandteile im laufenden Prozess sind die Autosuggestion, das Dissoziieren, das Ankern und das Reframing.
Die eigentliche Arbeit in der Beratung läuft entlang klar vorgegebener Handlungs- und Gesprächsformeln ab. Ein sog. "NLP-Format" enthält somit Anweisungen, die den Beratungsprozess qualifizieren.
Die einzelnen Formate sind in Gruppen zu Hauptformaten zusammengefasst. Jede Gruppe enthält unterschiedliche Formate zu ein und demselben Problemtypus des möglichen Klienten. Der NLP-Berater entscheidet, welches Format ihm in der jeweiligen Situation hilfreich erscheint.
Die Vielzahl der möglichen Vorgehensweisen innerhalb der NLP unterscheidet die "Methode" auch grundsätzlich von anderen therapeutischen Vorgehensweisen. Viele NLP-Formate entstammen klassischen Therapieformen oder sind in jahrelanger Arbeit durch sog. Modellierung (auch Benchmark oder Kopieren genannt) entstanden. So gibt es Modelle zur positiven Umdeutung von Wahrnehmungen, zur Zielfindung, zum Ankern (auch klassische Konditionierung genannt), zur Veränderung von Submodalitäten (gedanklicher Muster zur Erinnerung von wichtigen Vorgängen) und Arbeit mit gegebenen bzw. projizierten Abläufen in der Gedankenwelt oder dem realen Erleben des Klienten sowie verschiedene Strategiemodelle, mit denen Benchmarking oder Ideenfindung erlernt werden.
Andere Formate des NLP nutzen das Reframing oder die Konklusion paradoxer Sichtweisen, um den Klienten aus unangenehmen Sichtweisen herauszuentwickeln. Grundlage des NLP ist die Annahme, dass hinter jedem Ergebnis eine (oft unbewusste) Strategie steht, so dass auch einem "Misserfolg" eine Planung zugrunde liegt. Diese so genannten "Meta-Programme", von denen angenommen wird, dass sie die zum Teil unbewussten Entscheidungsprozesse begleiten, sollen mit Hilfe zumeist verhaltenstherapeutischer Interventionen gezielt verändert werden. Das Bewusstsein des Klienten soll dazu angeregt werden, auf der Basis von zuvor visualisierten oder beschriebenen Zielen auch neue Strategien zu entwickeln. Da diese sich nach R. Bandler im Denken, also im Gehirn abspielen, geht es nun darum, Menschen beizubringen, wie sie mit ihren vorhandenen Ressourcen neue, hilfreiche Verhaltensweisen entwickeln können.
Der Begriff "Programmieren" versteht sich innerhalb der NLP nicht als manipulativ, da sämtliche Interventionen unter Abfrage der ethischen und moralischen Werte des Klienten abgestimmt werden. Dies geschieht, gerade weil sich NLP-Trainer durchaus der Tatsache bewusst sind, dass sich das Instrumentarium für manipulative Veränderungen beim Klienten eignen könnte, die diesem nicht bewusst sind. Solche unbewussten Manipulationen, die etwa Ziel von Verkaufsgesprächen oder Verhandlungen sein könnten (s. Verkaufspsychologie), werden im NLP durch ethische Standards ausgeschlossen. Die Absicht besteht vielmehr darin, Klienten und Klientinnen zu helfen, sich gegenüber Programmen, die normalerweise unbewusst ablaufen, zu emanzipieren und damit ihre Lebensqualität zu steigern.
Als zentrale Grundannahme des NLP gilt, dass innere Vorgänge und innere Wahrnehmung des Menschen gleichgesetzt werden und dass zur Diagnose psychologischer Störungen die Befunde aus einer Befragung des Klienten verwendet werden.
Dem liegt folgende Annahme zugrunde:
Der Mensch nimmt die Umwelt mit seinen fünf Sinnen wahr.
- Visuell (mit dem Sehsinn, d.h. mit den Augen)
- Auditiv (mit dem Hörsinn, d.h. mit den Ohren)
- Kinästhetisch (mit allen Teilen seines Körpers, s. Tiefensensibilität / Haptische Wahrnehmung)
- Olfaktorisch (mit dem Geruchssinn), d.h. mit der Nase)
- Gustatorisch (mit dem Geschmackssinn), d.h. mit dem Gaumen)
Die fünf Kommunikationskanäle werden mit VAKOG abgekürzt ("visuell, auditiv, kinästhetisch, olfaktorisch und gustatorisch").
In der Regel werden ein oder zwei Sinneskanäle bevorzugt verwendet. Hierbei handelt es sich häufig um visuelle und akustische oder kinästhetische und visuelle Repräsentationen. Die Theorie der Lerntypen basiert auf dieser Einteilung.
Die Prägung ('Lerntyp') hat Auswirkungen darauf, wieviel Information bei einer Ansprache ankommt bzw. verloren geht. Klänge (z.B. Wörter), Bilder, Gerüche, Geschmacksempfindungen oder Gesten sind bei Menschen durch die Erfahrung miteinander verknüpft. So kann der Klang einer bestimmten Türklingel beispielsweise mit Erinnerungen an ein damit verbundenes Ereignis verknüpft sein, welches schon lange zurückliegt. Die vorgegebene Prägung als Lerntyp bedarf der Ergänzung durch spezifische Lernstrategien.
Derartige Gedankenverknüpfungen werden mit der Technik des Ankern hergestellt. Damit knüpft der NLP-Anwender bewusst neue emotionale Konnotationen oder nutzt bereits vorhandene. Nicht nur Gedanken lassen sich so für die therapeutische Arbeit nutzen, sondern auch Gefühle. Werden bei Glücksgefühlen bewusst bestimmte Bewegungen oder Gesten eingeübt, so lassen sich diese Gefühle später mit diesen Bewegungen oder Gesten wieder aktivieren.
Der Öko-Check dient als Instrument zur Prüfung auf soziale oder systemische Verträglichkeit (Verträglichkeit mit der Umwelt des Klienten). Dabei wird geprüft, ob bzw. sichergestellt, dass die Veränderungen mit der Werteordnung des Klienten und seinem sozialen Umfeld übereinstimmen. Eine Veränderung sollte nur erwünschte Konsequenzen haben. Eine Form des Öko-Checks ist der Future-Pace.
Der Future-Pace dient als 'Schritt in die Zukunft' der Zukunftsabfrage auf Kongruenz (Übereinstimmung) mit den eigenen Wünschen. Er spielt eine zukünftige Situation mental durch. Man stellt sich innerlich vor, wie ein neues Verhalten umgesetzt wird, z.B. ein Hochsprung. Dabei durchlebt der Sportler im Zeitraffer die inneren Bilder, Klänge und Gefühle, die zu seinem Sprung über die Latte gehören. Er spielt die einzelnen Schritte des Laufes inkl. der Muskelanspannungen im Kopf wie einen inneren Spielfilm durch. Das Gehirn weiß damit im Voraus, was es später in der Wirklichkeit zu tun hat.
Beispiele aus der Praxis
Einen Vorbehalt auflösen: Eine Person bekommt ein Geschenk und freut sich darüber. Die Freude kann jedoch beeinträchtigt sein, wenn die beschenkte Person annimmt, dass der Schenkende an das Geschenk Erwartungen knüpft (beispielsweise auf Gegenleistungen). Durch diesen inneren Vorbehalt entstehen Blockierungen, die im Rahmen einer NLP-Beratung dadurch aufgehoben werden (können), dass der Klient gemeinsam mit dem NLP-Berater die Inhalte seiner inneren Bilder sich bewusst macht und dann gezielt verändert, angeregt durch entsprechende Fragen und Vorschläge des Beraters. Der Klient bleibt dabei stets für seine Lösung selbst verantwortlich. Das Herstellen einer vertrauensvollen Gesprächsatmosphäre, die Anwendung respektvoller Fragetechniken unter Berücksichtigung sog. "Submodalitäten" (Denk-/Sprachmuster), sowie die introspektive Betrachtung der geistigen Bilder des Klienten und die Anwendung geeigneter NLP-Formate zur Klärung der Erwartungsspannung sind Gegenstand der speziellen NLP-Ausbildung.
Die autonomen Augenbewegungen: Ein weiteres Instrument zur Identifizierung bestimmter intrapersoneller Vorgänge ist das Wahrnehmen der sog. "autonomen Augenbewegungen" des Klienten. Die autonomen Augenbewegungen sind im Alltag an anderen Menschen praktisch jederzeit zu beobachten, und man schenkt ihnen im Allgemeinen wenig Beachtung. NLPler nutzen sie, weil sie laut der NLP-Lehre (PRS) Hinweise darauf geben sollen, mit welchem Sinn eine Person gerade "denkt", also ob sie sich gerade visuell oder auditiv erinnert beziehungsweise sich etwas Neues ausdenkt. Sie sind lediglich Hinweise und bedürfen der Bestätigung, z.B. durch Nachfragen, bevor man sie zu Schlussfolgerungen nutzt. Wissenschaftliche Studien konnten die Wirksamkeit dieses Ansatzes nicht bestätigen. [10]
Legasthenie/LRS und Dyskalkulie: Anwendungsbeispiele für NLP-Wissen auf dem Gebiet der Pädagogik sind die Phänomene Legasthenie/Lese- und Rechtschreib-Schwäche und Dyskalkulie/Rechenschwäche. Während diese Phänomene in der gesellschaftlichen Wahrnehmung als Lernstörungen, Leistungsschwächen oder gar Krankheiten bewertet werden, stellen sie aus NLP-Sicht primär die Folgen ungeeigneter Lernstrategien dar. In beiden Fällen spielt die Graphemische Bewusstheit [1] (die auf das Visuelle bezogen ist, analog zur Phonologischen Bewusstheit, die auf das Auditive bezogen ist) eine zentrale Rolle. Sie ist die Basis für die Lernstrategien der sicheren Rechtschreiber und (Kopf-)Rechner. Sie machen zu praktisch 100% vor, was die Personen mit "Lernstörungen" zu nur 70, 80, 90% tun: Sie speichern den Lernstoff visuell ab und rufen ihn auch visuell wieder ab. Personen mit "Lernstörungen" tun dies zwar auch, für die restlichen 30, 20, 10% nutzen sie jedoch vorwiegend auditive Lernstrategien. Dieser "Restanteil" ist dann für die unbefriedigenden Leistungen verantwortlich. Es kommt also, aus NLP-Sicht, darauf an, den Anteil visuell kontrollierter Lerninhalte zu steigern. [11] [12]
AD(H)S: Werden LRS und Dyskalkulie primär durch ungeeignete Lernstrategien ausgelöst, so können sekundär eine Vielzahl weiterer Symptome entstehen, z.B. die gleichen wie bei ADS/ADHS. [13]
Wissenschaftliche Quellen und Psychotherapie
NLP als Methodensammlung nimmt für sich in Anspruch, auf bestimmten wissenschaftlichen Theorien und Annahmen zu basieren, die im Laufe der NLP-Praxis z.T. erheblich verändert wurden. Sie integriert dabei fünf einander ergänzende Methoden zu einem eigenen Aussagen-Gebäude, ohne jedoch insgesamt den Anforderungen einer geschlossenen wissenschaftlichen Theorie zu genügen. NLP geht u.a. auf folgende Ursprünge zurück:
- Die auf William James zurückgehende Theorie der sinnesspezifischen Repräsentationssysteme als Grundbausteine der Informationsverarbeitung und des subjektiven Erlebens.
- Die Konditionierung (Pawlow), im NLP Ankern genannt.
- Die Kybernetik der Theorie des Geistes von Gregory Bateson, insbesondere der logischen Ebenen des Lernens und der Unified Field Theory als Weiterentwicklung von Robert Dilts.
- Das Modell einer grundsätzlichen Zielorientierung menschlichen Handelns (TOTE, Strategien) (Miller, Galanter, Karl Pribram).
- Die von Noam Chomsky (Transformationsgrammatik) und die darauf aufbauenden und unter dem Einfluss der Postulate von Alfred Korzybski (the map is not the territory) durch Bandler und Grinder abgewandelten Modelle der Sprache (Metamodell).
- Die sozial-kognitive Lerntheorie von Albert Bandura mit dem von Bandler und Grinder verwandten Modelling-Ansatz (in der Psychologie Expertise-Forschung).
- Die aus der Praxis des Modellierens von Fritz Perls, Virginia Satir und Milton H. Erickson resultierende Grundannahme der Existenz funktionalautonomer Persönlichkeitsanteile mit bewussten und unbewussten Prozesskomponenten.
- Der Konstruktivismus als grundlegendes Weltbild im NLP.
Aufgrund der multimodalen Struktur (Methodensammlung aus ca. 30 NLP-Formaten) ist eine generalisierende wissenschaftliche Anerkennung der NLP als Kommunikationshilfe kaum möglich, obwohl einzelne Methoden aus anerkannten wissenschaftlichen Schulen entlehnt sind. Die NLP versteht sich in diesem Sinne selbst als eine Art "Werkzeugkoffer", der die therapeutischen Möglichkeiten eines psychologischen Beraters erweitert.
Eine andere Herangehensweise will die Neuro-Linguistische Psychotherapie (NLPt) ermöglichen; ein jüngerer Zweig der NLP, der seit Anfang 2007 in Österreich als Psychotherapiemethode anerkannt ist. Mit der NLPt werden die methodischen Mängel der allgemeinen NLP als Kommunikationspraxis überwunden und eine den Ansprüchen der therapeutischen Aufgabenstellung entsprechende Ausbildung mit wissenschaftlich anerkannten Standards innerhalb der Erweiterung konventioneller Verhaltenstherapie geprägt. Die Anerkennung der NLPt als Psychotherapie im europäischen Rahmen ist bereits erfolgt. In Deutschland sind Bemühungen für ein Anerkennungsverfahren im Gange.
Ausbildungen
NLP-Kurse sind primär als Seminare zur Selbsterfahrung angelegt. Sie vermitteln einerseits die Kenntnisse der Grundlagen und Methoden, die zur verantwortungsvollen Anwendung dienlich sind, andererseits leiten sie die Teilnehmer an, ihre Wertvorstellungen zu überprüfen und ggf. gemäß der Ethik-Richtlinien (s.u.) zu verändern.
Die NLP-Ausbildungen sind national und international unterschiedlich geregelt. Es haben sich jedoch nationale und internationale Vereinigungen und Verbände etabliert, die Ausbildungsrichtlinien erlassen haben. Dabei werden die Mindestdauer, die Mindestinhalte, die Testingkriterien sowie die Qualifikation der Trainer beschrieben. Die Verbandsmitglieder sind verpflichtet, sich an diese Curricula zu halten und dürfen nur dann die entsprechenden Siegel verwenden. Üblich ist die gegenseitige Anerkennung der Ausbildungen, mitunter jedoch mit Auflagen.
Nur drei Stufen der Ausbildung sind in den verschiedenen Verbänden gleich benannt:
- NLP-Practitioner
- NLP-Master, auch NLP-Master-Practitioner genannt
- NLP-Trainer
In einigen Vereinigungen und Verbänden wurden Ausbildungen und Curricula als NLP-Therapeut und als NLP-Coach eingeführt. Je nach spezifischer Ausrichtung haben sich weitere Ausbildungsgänge zum Business-Coach, zum LernCoach [14] u.a. gebildet. Manche Verbände unterscheiden zwischen Trainer (abgeschlossene Trainerausbildung) und Lehrtrainer (Zulassung, um NLP-Ausbildungen durchzuführen) oder zwischen Trainer (abgeschlossene Trainerausbildung) und Master Trainer (besonders erfahrener, kompetenter Trainer).
Neu ist eine Practitioner-Ausbildung mittels Integriertem Lernen (E-Learning daheim am PC kombiniert mit Präsenztraining), die mit Curriculum seit März 2005 von der INLPTA verabschiedet wurde.
In Deutschland sind die NLP-Anwender im DVNLP e.V. und in der DG-NLPt e.V. (einer Schwesterorganisation des DVNLP) organisiert, in der Schweiz in der HANLP, in Österreich in der ÖDV-NLP und der ÖBV NLP.
Auf europäischer Ebene gibt es die EANLPt mit psychotherapeutischen Ausbildungen. Die Verbände dienen u.a. der Qualitätssicherung von NLP-Ausbildungen. Seit 2007 wird NLP als Masterstudiengang an der University of Kingston in Großbritannien zertifiziert: „Master of Arts in Coaching and NLP“. An einigen Fachhochschulen und Universitäten in Deutschland werden (Einführungs-)seminare des NLPs oder Seminare, in deren Rahmen NLP Methoden eingesetzt werden, angeboten.
Die ´"Society of NLP" wurde 1979 in den USA u.a. von Richard Bandler gegründet.
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